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Ziegelei

Ziegelei Lufingen

Zitiert mit freundlicher Erlaubnis von ARIAS Industriekultur Winterthur. Herzlichen Dank gebührt Herrn Dr. Hans-Peter Bärtschi, welcher sich der Dokumentation, Veröffentlichung, Erhaltung und der touristischen Erschliessung von Industriekulturgütern widmet.

"Die Ziegel Lufingen war der älteste derartige Betrieb an einem Standort im Kanton Zürich. Die Vorkommen von Mergel*, Ton und hyraulischem Kalk und die Wälder und Bäche bei Lufingen ermunterten schon 1780 zum Bau einer Ziegelhütte an der heutigen Ziegeleistrasse südlich des Dorfes - in brandsicherer Entfernung. Die Ziegelei spezialisierte sich auf Hafnerprodukte** unter anderem für die nahe Tonwarenwerke Ganz in Embrach, aber auch auf Backsteine und Dachziegel aus Ton und Röhren aus Zement mit gebranntem und gelöschtem hyraulischem Kalk. Die guten Rohstoffvorkommen ermunterten die Gemeinde Lufingen, 1837 eine gemeindeeigene Ziegelei zu gründen. Sie wurde von einer Kommission des Gemeinderates beaufsichtigt. Die Erträge und die Qualität der Produkte führten offenbar des Öfteren zu Ärger. Mischverträge verpflichteten den Verwalter, der Gemeinde unentgeltlich Kalk und Ziegelwaren zu liefern, diese wiederum investierte 1845 zur Ablösung der Handarbeit in eine Ziegelpresse.

Mit der Gründung der privaten, modern eingerichteten Ziegelei Moos erhielt die alte Ziegelei ab 1849 Konkurrenz. Die neue Ziegelei war mit einem Zirkularbrennofen, also einem frühen Hoffmann'schen Ringofen mit Hochkamin (siehe Bild von 1920), eingerichtet. Gebrannt wurde mit lokalem Holz. Die Gemeinde verpachtete ihre alte Ziegelei und lag danach jahrelang im Rechtsstreit mit den Pächtern. Als die Gemeinde die alte Ziegelei 1887 an den Konkurrenten Jakob Moos verpachtete, gründete der entlassene Pächter Ulrich Weidmann an der Mühlegasse eine weitere Ziegelei, die aber 1903 einging.

Das Familienunternehmen Moos investierte in rascher Reihenfolge in ihre Ziegelei. Nicht immer ging es mit rechten Dingen zu, eine Wasserkrafteinrichtung musste der Zürcher Regierungsrat 1866 nachträglich bewilligen, und Mahnungen betreffend mangelnder Betriebssicherheit und Umweltverschmutzungen erfolgten vor allen in den letzten Betriebsjahrzehnten. Schon 1871 war ein frühes Turbinenkraftwerk in Betrieb und 1904 erzeugte das Unternehmen eigene Elektrizität. Da sich die nahen Tonlager zu erschöpfen begannen, wurde entferntere erschlossen. Schon 1887 richtete das Unternehmen eine Rollbahn ein, vorerst 750 Millimeter Spurweite. 1908 plante es eine 600 Meter lange Materialseilbahn. Diese kam dann 1911 als eine der frühen derartigen Bahnen in der Schweiz in Betrieb. In jenem Jahr stand neben der 1849 aufgebauten Ziegelei eine neue Ziegelei mit einem mit Kohle beschickten*** Zickzackofen. Die Freude über das neue Werk endete 1917 mit einem Vollbrand.

Mit der Wideraufrichtung der Ziegelei bis 1919 begann die Ära der 2003 geschlossenen Fabrik. Bedeutende Erneuerungen erfolgten in den 1930er Jahren mit dem Umbau der Feldbahn auf 600mm Spurweite, 1972 mit dem Bau des neuen Tunnelofens und 1968/1981 mit der Umstellung auf Schweröl als Brennmaterial."

Ende 2001 wurden die Brennöfen und Maschinen stillgelegt und den verbliebenen acht Mitarbeitern gekündigt. Der Betrieb der Ziegelei war schlichtwegs nicht mehr rentable, die Gebrüder Furrer mussten die Backsteine unter den Produktionskosten verkaufen. Das Abhollager blieb bestehen und man hoffte die Produktion eines Tages wieder aufnehmen zu können. Diese Hoffnung wurde leider zerschlagen. Im Jahre 2003 wurde die Ziegelei definitiv stillgelegt und die veräusserbare Maschinerie wurde 2007 nach Mazedonien verkauft.



Einige Fakten:

-Anfang der 50er Jahre wurde mit 30 Mitarbeitern rund 1'000 Tonnen Ziegel pro Monat produziert.

-Im Jahre 1981 waren es rund 2200 Tonnen Ziegel pro Monat, jedoch nur noch mit 15 Mitarbeitern.

-Im Jahre 1998 waren es nur noch 7 Mitarbeiter.

-Von 1911 bis etwa 1988 wurde das Rohmaterial mit kleinen Lokomotiven und Güterwagen zu einer nahen Seilbahn gebracht, welche das Material ins rund 600 Meter entfernte und etwa 80 Meter tiefer gelegene Werk transportierte. Als die Grube zum Teil zu einer kantonalen Multikomponentendeponie umfunktioniert wurde, war eine asphaltierte Zufahrtsstrasse von Nöten - bis dahin gab es nur einen Feldweg hoch zur Grube. Da die Geleiseanlage der Zufahrtsstrasse im Wege stand wurde sie entfernt. Von da an wurde das Rohmaterial mittels Lastwagen zur Ziegelei transportiert.

-Rohstoffvorkommen an Mergel und Ton in der Weidrüti, in der Hohrüti und in der Marchlen sowie die Rohstoffvorkommen an hyraulischem Kalk in der Asp

-die Ziegelei verfügte über zwei eigene Kraftwerke mit Ableitung in Tüelen- und Aspbach

Anmerkung von Lufingen-Auwil.ch:

Mit dem geplanten Abbruch und der Überbauung des Geländes verliert das Embrachertal einen bedeutenden Zeitzeugen seiner Industriegeschichte - die Ziegeleitradition in Lufingen reicht bis in Jahre 1780 zurück. Auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei Lufingen werden in den nächsten Jahren Wohnungen erstellt.



* Bei Mergel handelt es sich um ein sedimentäres Gestein und ist eine Ton- oder Tonsteinvarietät.
** Hafner = Ofenbauer
*** das Zuführen den Materials bezeichnet man als Beschickung oder auch Begichtung

Tröckne- & Ofengebäude
Tröckne- & Ofengebäude
Rückseite der Ziegelei
Rückseite der Ziegelei
Ziegelei Lufingen
Ziegelei Lufingen
Tröcknegebäude im Detail
Tröcknegebäude im Detail
Materialseilbahn 1982, ein Jahr vor Abriss
Materialseilbahn 1982, ein Jahr vor Abriss
Materialseilbahn 1970
Materialseilbahn 1970
Talstation Seilbahn
Talstation Seilbahn
Rückseite Tröcknegebäude
Rückseite Tröcknegebäude
Hochkamin im Hintergrund
Hochkamin im Hintergrund

Anmerkungen zu den Bildern (im Uhrzeigersinn, angefangen oben Links)

Bild 1) Ansicht des Tröckne- und Ofengebäudes an der Zürcherstrasse

Bild 2) Detailansicht des Tröcknegebäudes mit seinen Zierelementen zur Seite Zürcherstrasse. Bei der Holzverschalung handelt sich um eine Lüftungsverbretterung (einige Zentimeter Abstand zwischen den Brettern)

Bild 3) kein Kommentar

Bild 4) Talstation der Materialseilbahn

Bild 5) kein Kommentar

Bild 6) kein Kommentar

Bild 7) auf diesem Bild von 1920 ist im Hintergrund der Hochkamin der Ziegelei gut sichtbar

Bild 8) auf diesem Kartenausschnitt von 1970 ist die Materialseilbahn klar eingezeichnet (Quelle: Swisstopo)

Bild 9) auf diesem Kartenausschnitt von 1982 sind die Erweiterungsbauten zu sehen. Die Materialseilbahn führte über diese hinweg in die Talstation rein. (Quelle: Swisstopo)


Anmerkungen zu den Bildern (im Uhrzeigersinn, angefangen oben Links)

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Herrn Heinz Gerber für die Zurverfügungstellung obiger Fotos. Herr Gerber betreibt eine der letzten Feldbahnen der Schweiz auf den Geleisen der ehemaligen Zürcher Ziegeleien. Bitte besuchen sie die Fotos auf http://www.flickr.com/photos/23591987@N08/


Bild 1) zeigt die Bergstation, ebenfalls zu sehen eine Lore sowie einen Masten

Bild 2) zeigt die mit Lehm beladen Feldbahn auf dem Weg zur Bergstation

Bild 3) wiederum die Feldbahn

Bild 4) Ausfahrt der Feldbahn aus der Bergstation

Bild 5) Lehmverlad in die Loren durch einen neuen Bagger und links hinten die Reste eines alten Baggers.

Bild 6) die Feldbahn im Hintergrund

Bild 7) Leerzug mit Feldbahnweiche

Bild 8) eine der beide Ohrenstein & Koppel Diesellokomotiven

Bild 9) die Diesellokomotive von vorne

sämtliche Fotos stammen aus dem Jahre 1981

Talstation Seilbahn
Talstation Seilbahn
Lüftungsverbretterung
Lüftungsverbretterung
Seilscheibe Talstation
Seilscheibe Talstation
Antrieb Kollergang
Antrieb Kollergang
Lägerraum Tröcknegebäude
Lägerraum Tröcknegebäude
Beschicker mit Walzen
Beschicker mit Walzen
Lüftungsverbretterung
Lüftungsverbretterung
Lüftungsverbretterung
Lüftungsverbretterung
Waschbecken
Waschbecken
Untersicht Kollergang
Untersicht Kollergang
Ofenhaus mit Stahleinbauten
Ofenhaus mit Stahleinbauten
Ziegel
Ziegel
Brennofen
Brennofen
Lüftungverbretterung
Lüftungverbretterung
Seilscheibe Talstation
Seilscheibe Talstation
Schubkarre für Ziegel
Schubkarre für Ziegel
Transmissionsreste im Dach
Transmissionsreste im Dach
Antrieb Personenlift
Antrieb Personenlift
Längsraum Hochparterregeschoss
Längsraum Hochparterregeschoss
Ziegel
Ziegel
Brennofen
Brennofen
vertikalachsige Seilscheibe
vertikalachsige Seilscheibe
Schubkarre
Schubkarre
Transmissionsreste
Transmissionsreste
Reibbasis Kollergang
Reibbasis Kollergang
Tröcknegestelle
Tröcknegestelle
Verzierungen der Fassade
Verzierungen der Fassade

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Herrn Beat Witzig von Lufingen für die Zurverfügungstellung der nachfolgenden Fotos. Er verfügt über ein geschultes Auge für Details und es gelang ihm deshalb einige aussergewöhnliche Fotos erstellen. Die ersten 15 Bilder zeigen seltene Aufnahmen der Bergstation der Seilbahn, ebenfalls zu finden Fotos der Verankerungen der Seilbahnmasten, der vertikalen Umladevorrichtung der Seilbahn, der Reibbasis des Kollergangs, des Beschickers mit Walzen, von Transmissionsresten und sonstigen Details. - achten sie auf den Preis auf der Zigarettenschachtel! Am Schluss sind noch drei Fotos der alten Zieglervilla zu finden.

Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.

Wie muss man sich die Produktion in der Ziegelei Lufingen vorstellen?

a) Lehmgruben-Tagbau von Hand:
ab 1780. Beim Abbau von Hand/mit der Schaufel konnten die unterschiedlichen Qualitäten von Anfang an gesondert abtransportiert werden. Die bunten Tonerden ermöglichten das Brennen unterschiedlichster Produkte sowohl von der Qualität als auch von der Farbe.

b) Abbau maschinell: ab ca 1919, nach Aufkommen des Abbaus per Bagger, kamen alle Qualitäten unsortiert in die Ziegelei.

c) Lehmtransport: zu Beginn mit Handwagen und Pferdefuhrwerken, ab 1887 mit der Feldbahnen Spurweite 750mm und 600mm, ab 1911 mit der Materialseilbahn.

d) Materialseilbahn: mit der Feldbahn wurde der Rohstoff in die Bergstation gebracht und von der Seilbahn direkt ins Obergeschoss des Tröcknegebäudes transportiert und dort ausgekippt.

e) Reinigen und Verkleinern: an der Transmission der Dampfmaschine im Maschinenhaus (später mittels Elektromotoren) liefen die verschiedenen Maschinen für die Bearbeitung des Rohproduktes. Es wurden verschiedene Maschinen verwendet, z.B. Steinaussonderungsmaschine, Kollergänge zum Mischen der Tonqualität, Tonreiniger etc. Das Zwischenprodukt wurde in den Tonkeller gebracht.

f) Tonkeller: Dort wurden verschiedene Tonqualitäten gelagert. Von dort aus transportierte man sie wieder ins Tröcknegebäude zum Beschicker.

g) Ziegelmaschinen: formten und pressten den Lehm zu den gewünschten Rohlingen, wie Ziegel, Backsteine, Röhren etc.

h) Transport der Produkte im Innern: es wurden vor allem Schubkarren und zwei Warenlifte für den internen Transport der Produkte verwenden. Mit ihnen gelangten die geformten Produkte zu den Tröcknungsgestellen auf vier Etagen. Die feuchten Rohlinge wurden sorgfältig von Hand (jedoch im Akkord) in die Gestelle gelegt. Auf die gleiche Art gelangten die vorgetrockneten Rohlinge ins Erdgeschoss zu den Öfen.

i) Tröcknungslager: waren auf vier Etagen verteilt, neben dem Brennofen. Dieser erzeugte die Tröcknungswärme. Die für das Luftröcknen mit der Abwärme des Brennprozesses konzipierte Holzverschalung ist vertikal und war gegen die Zürcherstrasse aufwendig gestaltet.

i) Aussentröcknungslager: wurden ebenfalls verwendet. Es diente der energiesparenden Tröcknung nur durch Luft. Dies war jedoch nur bei warmen Temperaturen von Frühling bis Herbst möglich. Frost konnte die Rohlinge springen lassen.

j) Brennofen: im Brennofen wurden die vorgetrockneten Rohlinge gebrannt. Bis ca. 1972 wurde ein Zickzackofen verwendet. Diese in der Schweiz entwickelte Form war flächensparend, benötigte aber zum Ein- und Ausräumen mehr Arbeitskräfte. 1972 bis 2004 war ein moderner Tunnelofen, durch den das Brenngut auf Wagen hindurchgefahren wird, eingerichtet.

k) Produktelager: im offen Holzschopf wurden die Backsteine und Ziegel gelagert







Quelle: ARIAS Industriekultur