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Verkauf an St. Blasien

Verkauf von Lufingen an St. Blasien am 5. Mai 1451

"Henmann von Heidegg, sesshaft zu Kienburg, verurkundet, dass er die Vogtei Luffingen in der Grafschaft Kiburg mit Gericht sowie Twing und Bann* (mit Ausnahme des Blutgerichts) und namentlich mit den Eigenleuten von St. Blasien, die sein Lehen waren, für 90 Rheinische Gulden and Abt Niclaus und den Konvent des Gotteshauses Sant Pläsyen auf dem Swartzwalde verkauft hat. Im Verkauf der Vogtei, die sein und seiner Vorfahren Lehen vom verstorbenen Graf Harttman von Habsburg, Graf zu Kiburg, war, sind folgende Güter eingeschlossen:

Das Gut Helenweg mit Äckern und Wäldern; der Meierhof und das Hoflehen darin, die je 5 1/2 Mütt Kernen und Hafer, 2 Widder (einer zu 18 Schilling Zürcher Pfennig verrechnet), je 2 Herbst- und Fasnachtshühner sowie 2 Tagwen* Vogtsteuer gelten; die Widem in Lufingen, die 3 Mütt Kernen, 1 Malter Hafer, 2 Widder, je 2Herbst- und Fasnachtshühner sowie 2 Tagwen Vogtsteuer gilt; die Schuppose* von Guggler, die je 2 Mütt Kernen und Hafer, 2 1/3 Widder, je 2 Herbst- und Fasnachtshühner sowie 2 Tagwen gilt; die Schuppose von Sigrist, die je 6 Viertel Kernen und Hafer, 1 Widder, je 1 Herbst- und Fasnachtshuhn sowie 1 Tagwen gilt; die Schuppose von Reck, die je 1/2 Mütt Kernen und Hafer, 1/2 Widder, je 1 Herbst- und Fasnachtshuhn sowie 1 Tagwen gilt; der "geheig" genannte Wald.

Der Verkäufer verpflichtet sich, alle auf die Vogtei bezüglichen Rödel und Urkunden herauszugeben und von einer Urkunde, in der von der Vogtsteuer die Rede ist, durch die Herrn von Zürich ein Vidimus* auszustellen zu lassen. Die Vogtei ist mit Zinsen belastet von 12 1/2 Mütt Kernen und 6 Mütt Hafer an Jacob Wis, Bürger von Zürich, und an seine Frau Itta sowie von 6 Mütt Kernen und 1 Malter Hafer Winterthurer Mass an die Pfrund von Hanns Müller in Winterthur (ablösbar mit 77 Pfund).

Henmann von Herdegg sowie auf seine Bitte Ritter Heinrich Swend, Bürger von Zürich, siegeln."


*Twing und Bann = Gebots- und Zwangsgewalt im Bereich der Niedergerichtsbarkeit
*Tagwen = vermutlich Tagewerk (muss weiter abgeklärt werden)
*Schuppose = kleineres Bauerngut
*Vidimus = beglaubigte Kopie einer Urkunde
*Mütt = Das Getreide wurde nicht nach Gewicht, sondern nach Volumen gemessen. In der Deutschschweiz entsprach es einer Manneslast (Sack), nach Zürcher Mass ca. 82 Liter. Es gab ein besonderes Mass für raue Frucht (nicht gerelltes Korn, Hafer) und für glatte Frucht (gerelltes Korn, Obst, Bohnen, Erbsen). Beim gerellten Korn (Kernen) waren die Kerne von der Spelze befreit.
*Malter = altes Getreidemass

Anmerkung: eine Gesamtfassung der Verkaufsurkunde sowie Bilder folgen zu einem späteren Zeitpunkt


Verkaufsurkunde Quelle Staatsarchiv Kt. Zürich