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Familie Schurter

Im Jahre 1847 wurde Joseph Schurter in Freienstein/ZH geboren. Als Beruf hatte er das orthopädische Schuhmacher-Handwerk erlernt. Die Familie der Schurter gehörte zu dieser Zeit kirchlich der Herrnhuter Brüdergemeine an. Josephs Wunsch war es, nach Herrnhut auf die Missionsschule zu gehen um nach Abschluss dieser Ausbildung auf eine Missionsstation nach Uebersee ausgesandt zu werden. Um 1870 erreicht Joseph, nach Zwischenstationen in Frankreich und England, sein Ziel Herrnhut.

Das Leben nimmt nun mal immer wieder unerwartete Abzweigungen. So lernte Joseph Schurter die hübsche, junge Anna Arndt kennen, welche er am 27. September 1875 ehelichte. Da es zu dieser Zeit aber üblich war, nur ledige Brüder nach Übersee zu senden, wurde die Familie Schurter in Herrenhut sesshaft und es wurden ihnen 6 Kinder geboren. Sie eröffneten ein Schuhgeschäft, welches ihr Sohn Martin später bis 1945 weiterführte.

Ein weiterer Sohn war Rudolf Schurter, von Beruf Schreiner, welcher Alwine Hedwig Tschoppe ehelichte. 1911 kam ihr Sohn Siegfried zur Welt. 1913 zogen die Eltern mit dem Zweijährigen nach Görlitz und später nach Niesky, wo Siegfried auch die Schulen besuchte . Sein Vater arbeitete als Werkmeister in einer Wagonfabrik und wurde 1922 von der Firma in die Nähe von Köln versetzt. Die dortigen Unruhen bewogen die Eltern, den Sohn bei einem Onkel in der Gegend von Neusalz an der Oder unterzubringen. 1925 zog Siegfried zurück zu seinen Eltern, welche in der Zwischenzeit in Eller an der Mosel eine eigene Schreinerei gegründet hatten und begann dort mit der Schreinerlehre, welche er 1928 mit Erfolg abschloss.

Die Zustände im aufkommenden Nazi-Deutschland bewogen ihn und seine Eltern im Jahre 1932, mit einem Umweg über das Elsass, zurück in die alte Heimat nach Zürich zu ziehen. Nach der Rekrutenschule fand Siegfried eine Stelle, bei welcher er für einen Franken pro Stunde arbeitete. Vater Rudolf hatte das Glück, eine Stelle in der Möbelfabrik Fraubrunnen zu finden, wo später auch Siegfried arbeiten konnte. In Fraubrunnen lernte Siefried seine spätere Frau Alice Käsermann kennen. 1936 besuchte Siegfried die Schweizerische Schreinerfachschule in Bern, wo er im allerersten Kurs dieser Schule mit Erfolg die Prüfung als Schreinermeister bestand. Im gleichen Jahr hörten Vater Rudolf und Sohn Siegfried von einer Schreinerei in einer ehemaligen Mühle welche in Lufingen zum Verkauf stand. Die zwei machten sich von Fraubrunnen mit ihren Fahrrädern auf um in Lufingen die Schreinerei zu besichtigen und zu erwerben.

Mit ganz kleinem Anfangskapital begannen sie das Geschäft zu Blüte zu bringen, natürlich mit Hilfe ihrer tüchtigen Ehefrauen. Die Kriegsjahre machten den Anfang allerdings nicht leicht, da Siegfried während dieser Zeit an der Grenze am Rhein Aktivdienst leisten musste.

Die fünf Geschwister von Vater Rudolf mussten im Oktober 1945 Deutschland verlassen. Auf Geheiss der russischen Besatzer wurden alle Auslandschweizer in Eisenbahnzügen in die Schweiz deportiert. Für Martin den gelernten Schuhmacher, welcher seine deutsche Ehefrau auf Befehl der Besatzungsmacht in Deutschland lassen musste, hat Siegfried neben der Schreinerei eine Schuhmacherwerkstätte eingerichtet. Die gute Qualität seiner Arbeit sprach sich schnell im ganzen Embrachertal herum und er wurde regelrecht mit Arbeit überhäuft - nur eins missfiel ihm... die hohen und spitzen Absätze gewisser Damenschuhe.

Siegfried Schurter führte die Schreinerei noch während Jahrzehnten weiter. Die schwere Arbeit hinterliess jedoch seine Spuren, immer stärker werdende Rückenschmerzen bewogen ihn 1974 die Schreinerei einem Nachfolger zu übergeben. Siegfried Schurter verstarb im Jahre 1987, seine Frau Alice im Jahre 2008. Sigi und Alice waren ihr stolz darauf Einwohner von Lufingen zu sein und haben die Gemeinde tatkräftig mitgestaltet. Sigi war im Gemeinderat, war Feuerwehrkommandant, war im Schützenverein und noch vieles mehr. Die Familie besass das erste Privatauto in der Gemeinde.

Das Gebäude ist noch immer in Familienbesitz und beheimatet noch immer eine Schreinerei. Noch heute leben mehrer Generationen der Nachkommen von Siegfried und Alice Schurter in Lufingen und Augwil.

Anmerkung: Die Schreinerei befindet sich in der Namensgeberin der Mülistrasse, nämlich die ehemaligen Mühle Lufingen. Die Grundsteinlegung des Gebäudes geht auf das Jahr 1751 zurück. Der Gewölbekeller im Nebengebäude wurde gar im Jahre 1748 errichtet.

Bildlegende:

oben links: Siegfried Schurter genannt Sigi (ganz rechts) und sein Team vor der Schreinerei an der Mülistrasse 20

oben rechts: ein VW T1 Pritsche vor der Schreinerei, dazumals (ca. 1961) gabe es den Anbau noch nicht

unten links: Alice und Sigi Schurter mit Team zum 25. Firmenjubiläum (1961). Der Firmenausflug ging auf den Pilatus

unten rechts: Alice und Sigi Schurter vor dem Mehrfamilienhaus (oberhalb der Schreinerei)