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Die letzten Schlossherren

Die letzten Schlossherren von Lufingen

Die letzten zwei Schlossherren von Lufingen entstammten der bekannten und heute noch existierenden Zürcher Kaufmannsfamilie Schulthess.

Die Familie Schulthess

Die Familie Schulthess hiess ursprünglich Cunrad und erste Erwähnung der Familie gehen auf das 14. Jahrhundert zurück. Uli Cunrat wurde 1370 vom Rat der Stadt Zürich zum „Brotschauer“ * ernannt. Die Geschichte der Schulthess von Zürich beginnt aber eigentlich mit Jakob Cunrad (1485-1551). Jakob war der Mittlere von drei Söhnen von Heini Cunrad der Jüngere und Anna Meyer. Von diesem Jakob stammt die heutige Familie Schulthess ab. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts stösst man nur auf den Namen Cunrad, ab der Jahrhundertwende tritt auch der Name Schulthess in Erscheinung und zwar unter dem Beinamen "genannt Schulhess". Die plausibelste Erklärung für diesen Namenswechsel gilt, dass Anna Meyer nach dem Tod ihres Gatten, Hans Schulthess ehelichte. Entweder konnte sie nicht oder durfte nicht das Gerbereihandwerk ihres verstorbenen Mannes weiterführen. Hans Schulthess war Besitzer oder Geschäftsführer des Gerbereigeschäftes der Cunrads. Durch diese Heirat gelangten die Söhne wieder in den Besitz ihres väterlichen bzw. grossväterlichen Geschäftes. Von da an trugen alle 3 Söhne den Beinamen "genannt Schulthess".Die Schulthess haben diesen Beruf noch über fünf weitere Generationen ausgeübt. Die Cunrads genannt Schulthess gehörten seit Ende des 15. Jahrhunderts zu den ratsfähigen Familien der Stadt Zürich. Gegen Ende des 16. Jahrhundert wurde aus den Gerbern Krämer und die Familie wechselte zur Saffranzunft**. Sie legte mit dem Handel von Spezereien und Gewürzen den Grundstein für ihre spätere Handelstätigkeit mit Textilien. Zur Zeit des Ancien Régime durften auf Zürcher Gebiet nur die Stadtbürger Regierungsämter, Verwaltungsposten, Offiziersränge und Pfarrstellen bekleiden, des Weiteren besassen sie die Privilegien des Grosshandels und der Industrie. All diese Privilegien ermöglichten der Familie Schulthess grosse Karrieremöglichkeiten. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts spaltete sich die Familie in verschiedene Linien auf (z. B. Wittenwil, Rechberg, Thalgarten, Lindengarten, Roter Turm, Zum Pflug, Winterthur, Aarhof, Weinleiter-St. Urban, Schönhof). Die Familie zeigte schon sehr früh grosse Weitschicht. 1758 gründeten Vertreter aus den damaligen 12 Schulthess-Linien einen Familienstiftung, welche heute noch besteht. Solche Stiftungen dienten und dienen auch heute noch dem Familienzusammenhalt und der Statuswahrung durch Materielle Absicherung.

Die Familie war und ist eine der bedeutendsten von Zürich. Sie nahm grossen Anteil am kommerziellen Aufschwung von Zürich und gehörte stets zu den führenden Handelshäuser. Sie hat über Jahrhunderte Zürich mitgeformt - politisch, baulich und handelstechnisch. Sie stellte wichtige politische Vertreter, besass mehrere Gerichtsherrschaften, gründete Häuser wie Bankhaus zur Limmatburg oder Rahn und Bodmer, die Schulthessklinik ist genauso auf die Familie zurückzuführen wie die Buchhandlung Orell Füssli oder der Schulthess Verlag.

Der Familie gehörten auch die beiden letzten Schlossherren von Lufingen an - Martin und Matthias Schulthess.

Schlossherr Martin Schulthess

Martin Schulthess wurde im Jahre 6.3.1754 in Zürich geboren und verstarb 24.2.1811 in Regensberg. Sein Vater war Frey- bzw. Quartierhauptmann Johann Heinrich Schulthess und seine Mutter war Anne Meyer. Als Todesursache von Martin Schulthess wurde Apathia eingetragen. Sein Hauptwohnort war Zürich Limmatburg. Er entstammte der Schulthess-Linie Wittenwil. Von Beruf war er Inhaber des väterlichen Bankhauses und Handelsherr, des Weiteren hatte er das Amt des Zwölften zum Kämbel in Zürich inne.

Martin Schulthess war Vater zweier Söhne, einem ehelichen und einem unehelichen. Der Name des ehelichen Sohnes war Diethelm Schulthess, welcher aber selber keine Kinder hatte. Der Name des unehelichen Sohnes war Hans Jakob Schulthess, seine Nachkommen leben noch heute. Den unehelichen Sohn zeugte Martin Schulthess mit Regula Utzinger von Bachenbülach. Die beiden wurden von der Pfarrei Bülach wegen der begangenen Unzucht mit 40 Pfund gebüsst, wovon Regula Utzinger 10 Pfund erlassen wurden. Martin Schulthess wurde noch die Unterhaltspflicht für seinen Sohn auferlegt. Nebst einem Blumenstrauss musste er Frau Utzinger die Kosten für ein Kinderbett (22 Pfund) erstatten und ihr für das Kindes Unterhalt von 5 Pfund während zwölf Jahren bezahlen.

Martin Schulthess handelte unter anderem mit Getreide und konkurrierte ab 1799 dem öffentlichen Getreidemarkt. Die Munizipalität sah sich veranlasst sein Handeln mehrfach zu ahnden. Im Jahre 1797 erwarb Martin Schulthess das Schloss Lufingen von Junker Heinrich Grebel. In einigen Überlieferungen wird Martin Schulthess noch als Gerichtsherr von Lufingen bezeichnet – diesen Titel trug er jedoch nicht mehr, da er zu dieser Zeit nicht mehr mit dem Schloss verbunden war. Als Schloss Lufingen von ihm gekauft wurde, oblag die Ausübung der Gerichtsbarkeit dem Amtmann zu Embrach.

Es wurde überliefert, dass Martin Schulthess ein leidenschaftlicher Jäger war, jedoch lag ihm die Landwirtschaft weniger am Herzen. Er veräusserte nach und nach sehr weitläufige Parzellen des Schlosses Lufingen.

Wirtschaftlich hatte Martin Schulthess keine sehr glückliche Hand. Er trat das Schloss an seinen Bruder Mathias Schulthess ab, ruinierte das Bankhaus zur Limmatburg und ging 1805 in Konkurs. Er lebte fortan bis zu seinem Tode in Regensberg.

Mathias Schulthess-Wieland

1757 - 1832, Gerichtsherr von Wittenwil

Der letzte Schlossherr - Mathias Schulthess


Mathias Schulthess wurde am 31.8. 1754 in Zürich geboren und verstarb 28.10.1832 in Wittenwil/TG. Sein Vater war Frey- bzw. Quartierhauptmann Johann Heinrich Schulthess und seine Mutter war Anne Meyer. Verheiratet war er mit Dorothea Schulthess-Wieland. Er wohnte in Zürich, Wittenwil/TG und auf dem Burghof am Katzensee/Regensdorf. Er entstammte der Schulthess-Linie Wittenwil. Von Beruf war Mathias Schulthess Gerichtsherr von Wittenwil. Er gehörte der Zunft zur Schiffleuten in Zürich an. Des Weiteren ist bekannt, dass er von 1803-1827 im Thurgauer Kantonsrat sass, Vorsitzender des thurgauischen Gerichtsherrenverbandes war, Besitzer des väterlichen Hauses zur Limmatburg und des Hauses zur Kapellen und Gutsbesitzer des Burghof am Katzensee/Regensdorf war.

Im Jahre 1812 tauschte Mathias Schulthess als letzter privater Eigentümer das Schlossgebäude durch Vertrag mit der Kantonsregierung gegen das in Embrach stehende bisherige Lufinger Pfarrhaus. Dieser Vertrag besiegelte das Ende einer knapp 150 Jahre währenden Ära von Schlossherren in Lufingen.

Das Schlossgebäude in Lufingen bestimmte die Regierung zum Pfarrhaus der Gemeinde und lies es in den nachfolgenden Jahren als solches umbauen.

Dorothea Schulthess-Wieland

1767 - 1804, Ehefrau von Mathias Schulhess

* Der Brotschauer war im Mittelalter ein Beamter, dessen Aufgabe es war, über Qualität und Gewicht der in den Backstuben produzierten Brote zu wachen.

**Seit 1445 heisst die Krämerzunft "Zunft zum Saffran", genannt nach dem Wappengewürz der Kaufleute. Im Laufe der Jahre kamen verschiedene Berufe dazu, so zu Beispiel die Seidenbandweber, die Apotheker und Drogisten, die Knopfmacher, die Bandagisten und Zuckerbäcker.




Quellennachweis: Genealogie der Familie Schulthess, 2008; Herr Hans Georg Schulthess, Präsident der Familienstiftung Schulthess