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Chronik

Lufingen

1157-1820

"Dorf und Pfarrgemeinde, bis 1798 zu der Grafschaft Kyburg gehörig. Das Dorf Lufingen, welches etwa 27 Häuser zählt, liegt zwischen Embrach und Kloten. Die Edlen von Wagenburg sollen im Mittelalter den Burgstall daselbst und die Vogtei über dieses Dorf besssen haben, weshalb dasselbe auch die Herrschaft Wagenburg genannt wurde.

Im Jahre 1157 wird „Luvingin“ erstmalig dokumentarisch erwähnt. 1251 kam diese Herrschaft durch Heirat an Hartmann von Heidegg, dessen Nachkommen sie bis 1451 besassen, zu welcher Zeit dieselbe an das Stift St. Blasien und 1645 von diesen an seinen Amtmann, Gerold Edlibach, verkauft wurde. Letzterer veräusserte die Herrschaft an die Stadt Winterthur für 6000 Gulden; allein der zürcherische Landvogt auf Kyburg, Heinrich Waser, zog den Kauf 1647 an sich und lies im Jahr 1663 ein Landhaus oder Schloss auf einer Höhe ausserhalb des Dorfes bauen. Am 19. Weinmonat 1671 nahm sein Sohn, Hans Heinrich Waser, als Gerichtsherr von den Bürgern daselbst die Huldigung ein und liess neben dem Schloss ein Lebenhaus errichten. Nach dessen Tod kam die Gerichtsherrlichkeit nebst der Kollaktur an den Landvogt Bräm, der sich 1703 in seiner Behausung huldigen liess; dessen Sohn alsdann am 13. Juli 1714. 1765 kam die Herrschaft ausfallsweise an die Stadt Zürich, und die Judikatur wurde durch den Amtmann von Embrach ausgeübt. Das Gericht bestand aus dem Amtmann, dem Gerichtsvogt und drei Richtern und dem Untervogt zu Embrach wegen Kyburg. Das Schloss mit den nächstgelegenen Gütern kam 1768 kaufsweise an den Doktor Grob von Herisau, 1777 an den Kapitän Hans Rudolf Freitag, der daselbst eine Bierbrauerei errichtete, 1780 an Junker Hans Heinrich Grebel und im Anfang dieses Jahrhunderts an den ehemaligen Gerichtsherrn Mathias Schulthess, der es im Jahr 1812 dem Staat gegen das alte Pfarrhaus Lufingen zu Embrach vertauschte. Die Hoheitsrechte über Lufingen gehörten zu Grafschaft Kyburg und kamen mit dieser an die Stadt Zürich, und Lufingen gehörte nun bis 1798 zum Embracheramt der Landvogtei Kyburg. In diesem und dem folgenden Jahr, so wie Embrach, viel von den Kriegsereignissen, namentlich vom 26. bis 28. Mai 1799 bei den Gefechten zwischen den Franzosen und Oesterreichern.

Die Pfarrgemeinde Lufingen besteht ausschliesslich aus dem Dorf Lufingen, das nur eine Viertelstunde von Embrach entfernt ist und durch welches hindurch sogar die Bewohner verschiedener gegen Kloten hin liegender Höfe gehen müssen, um zu ihrer Pfarrkirche nach Embrach zu kommen. Sie bildet auch nur eine Schule, und zählt am Ende des vorigen Jahrhunderts 173 Seelen. - Die Kollatur der Pfründe hing in früheren Zeiten von den Besitzern der Gerichtsherrlichkeit ab, die wir oben bezeichnet haben, und kam im Jahr 1765 an den Rath, der damit die Pflicht des Unterhalts der Kirche und des Pfarrhauses übernahm. Die Pfründe wurden nach der Reformation dem Winterthurer Kapitel einverleibt. - Die ersten reformierten Pfarrer waren: 1522 Niklaus Engelhard und 1527 Johannes Rebmann der Blinde, von welchem in dem Artikel Dällikon Mehreres nachgelesen werden kann. - Die Kirche wurde 1641 bedeutend renoviert, mit neuen Fenstern versehen, frisch bestuhlt, die beiden Zeittafeln am Turm neu bemalt und vergrössert, was zusammen 700 bis 800 Pfund Kosten verursachte. 1659 wurde die grössere Glocke, die einen Rissbekommen hatte, umgegossen und vergrössert, die Neue wog 490 Pfund. 1752 schenkte der Rechenrath der Gemeinde eine ein Zentner schwere Glocke aus dem Zeughaus. 1765 wurde aus den zwei andern schadhaften Glocken eine mehr als vier Zentner schwere gegossen, 1773 vom Staat im Tobel unter dem Kirchgebäude zum Schutz des letztern eine starke Mauer aufgerichtet, Kirche, Turm und Kirchhofmauer repariert, 1774 der Gemeinde gegen Auslieferung der kleineren schadhaften Glocke ein kleines, 60 Pfund schweres Glöcklein aus dem Zeughaus überlassen. 1783 wurde die Kirchenmauer renoviert. 1795 liess die Gemeinde zwei kleinere Glocken zu eine grössere umgiessen, was 222 fl. 6k. 5hlr. kostete , die Regierung gab hieran 75 fl. Ao. 1808 nahm der Staat am Turm und der Kirchhofmauer verschiedene Reparaturen vor, die etwa 450 fl. kosteten. - Das Pfarrhaus, welches in früheren Zeiten die Wohnung des Stiftsprobstes und seines Kaplans war, stand zu Embrach ganz nahe bei der Kirche. Dasselbe wurde 1650 bis auf den Mauerstod hinunter geschliffen und neu aufgeführt, welche Baute 1500 fl. kostete, 1775 wieder so viel als neu erbaut. Das Schloss wurde, nachdem es 1812 Eigentum des Staates geworden war, als nunmehriges Pfarrhaus bedeutend renoviert, und in den Jahren 1812 bis 1815 mehr als 1500 fl. heran verbaut.

Die Gemeinde Lufingen gehörte während der helvetischen Zeit zum Distrikt Bassersdorf, während der Mediationszeit zum Bezirk Bülach, später zum Oberamt Embrach." 1)


1) Zitiert aus "Die alten Chroniken oder Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich von den ältesten Seiten bis 1820" neu überarbeitet von Friedrich Vogel, Zürich 1845